Pressemitteilung
Wismut-Kunst gehört ins Wismutkrankenhaus!
Die ÖDP Ostthüringen macht einen soliden Vorschlag für eine langfristige Nutzung des ehemaligen Krankenhauses und einer kulturell nachhaltigen Entwicklung der Region.
An der Diskussion im Geraer Rathaussaal am 13. März 2026 lässt sich sehr gut ablesen, woran es Gera mangelt: an innovativen Ideen für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die wegweisend für das nächste Jahrzehnt bis zur 800-Jahr-Feier im Jahr 2037 ist. Das Beispiel um die Diskussionen zur Wismut-Kunst zeigt, dass sich Gera immer noch geografisch als „Inselstadt“ begreift und mit seinem Sonderstatus kokettiert, anstatt mit dem Greizer Umland und dem ostthüringischen Vogtland langfristig strategische Partnerschaften im Bereich Tourismus- und Kulturentwicklung einzugehen. Die Wismut-SDAG wirkte in den Bundesländern Sachsen und Thüringen hauptsächlich im Erzgebirge und im heutigen Landkreis Greiz, dem ehemaligen „Ronneburger Erzfeld“. Innerhalb von 45 Jahren entstanden zahlreiche Kunstwerke in unterschiedlichen Größenformaten; das größte Wismut-Bild – ein Auftragswerk des Malers Werner Petzold – hat eine Größe von 12x16 Meter. Schon werden Forderungen nach einem Museumsneubau gestellt: die Wismut-Kunst gehöre zentral nach Gera in ein eigenständiges Museum. Doch ist dieser Ansatz sinnvoll?
Wer die Diskussionen im Rathaussaal live mitverfolgte wurde gewahr, dass es sich bei den Rednern hauptsächlich um Befürworter eines zentralen Neubaus für Wismut-Kunst handelte. Die ÖDP ist eine kleine aber hartnäckige Partei, die eine fachlich kluge Flächen- und Immobiliennutzung in den Kommunen und Gemeinden anstrebt und dem Gemeinwohlinteresse damit Vorrang vor privatem Profitinteresse sowie unnötiger Flächenversiegelung einräumt. Dieses Alleinstellungsmerkmal im Parteienvergleich trifft bekanntlich auf starken Widerspruch bei lobbyabhängigen Stadtratsabgeordneten, besonders in Bezug auf Stadtentwicklungsthemen. Außerdem denken die Ökodemokraten regional und dezentral, was auf eine stärkere Einbindung des ländlichen Umlandes hinausläuft. Der neueste Artikel der OTZ zum Thema „Wismutkrankenhaus“ vom 31.03.2026 liefert die Grundlage für einen ÖDP-Vorschlag, der bereits nach dem Rathausgespräch zur Wismut-Kunst verbandsintern formuliert wurde. Da die Wismut-SDAG ganze Regionen von Dresden über das Erzgebirge bis in das Thüringer Vogtland hinein landschaftlich, wirtschaftlich und kulturell prägte, kann und sollte Ronneburg als größtes ehemaliges Abbaugebiet von Uranerz dabei weiterhin eine bedeutende Rolle in der Erinnerungskultur einnehmen. Gleichzeitig eröffnet sich für Gera die einmalige Chance, historische Kunst aus den Jahren 1946 bis 1990 an einer historischen Wismut-Stätte zu zeigen: dem Geraer Bergarbeiter-Krankenhaus, das größte Krankenhaus für ehemalige Wismut-Arbeiter in der gesamten Region. Das 2016 von Gera an das Land Thüringen verkaufte Objekt fristet seit 10 Jahren zweckentfremdet sein Dasein. Zwischenzeitlich wurde es übergangsweise als Flüchtlingsunterkunft und zeitweise „von verschiedenen Behörden der Thüringer Polizei für polizeitaktisches Einsatztraining“ genutzt (OTZ, 31.03.26). Seither steht die Thüringer Landesimmobilie ungenutzt als Bauruine im Stadtwald. Der Regionalverband der ÖDP Ostthüringen fordert seit 3 Jahren eine langfristige Entwicklungsstrategie für sämtliche leerstehende Immobilien, insbesondere in der kreisfreien Stadt Gera mit ihrem Sonderstatus. Zu benennen sind: das Horten-Kaufhaus auf der Sorge, die UCI-Kinowelt Gera, die JVA Gera, das Gebäude des ehemaligen Goethe-Gymnasiums auf dem Nicolaiberg, das Museum für angewandte Kunst (MAK), der nicht fertig sanierte Gebäudekomplex in der Eisenbahnstraße, die Gebäude des ehemaligen Modedruck Gera, die nur halb vermietete Otto-Dix-Passage usw. Das ehemalige Wismut-Krankenhaus weist unserer Meinung nach enormes Umnutzungspotential auf. Voraussetzung dafür ist eine Entkernung und vollständige Sanierung inklusive modernster Klimatechnik durch das Land Thüringen. Hier sollte der 2024 gewählte Oberbürgermeister mit CDU-Parteibuch die große Chance für Gera und den gesamten Raum Ostthüringen nicht verstreichen lassen. Die von der CDU angeführte Landesregierung hat die gesetzliche Aufgabe, alle Landesteile Thüringens strukturell zu entwickeln. Es darf nicht mehr hingenommen werden, dass die Landkreise Saale-Orla, Saale-Holzland, Greiz, Altenburger Land und die größte Stadt Ostthüringens, Gera, weiterhin wie Stiefkinder des Freistaates Thüringen behandelt werden. Der Sonder-„Großstadt“-Status hat Gera bisher keine Vorteile eingebracht, trotz oder gerade wegen der Thüringer „Perlenkettenpolitik“ entlang der A4. Eine CDU-Landesregierung, die anstrebt, die DDR-Vergangenheit weiterhin dauerhaft im Geschichtslehrplan zu verorten, kann in Persona des aus Greiz stammenden Bildungs- und Kulturministers Christian Tischner bei dieser Frage endlich Nägel mit Köpfen machen: eine dezentralisierte Erinnerungskultur, die sich exemplarisch in renaturierten „blühenden“ Landschaften, Stasi-Gedenkstätten und Kunst aus der Wismut-Zeit manifestiert, trägt für die jüngere Generation mehr zur Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur bei als trockener Lehrstoff allein aus dem Geschichtsbuch. Zugleich erhält Ostthüringen damit die Chance, Geschichte und Kultur hautnah an historischen Orten erlebbar zu machen. Vorstellbar ist für die Geraer Ökodemokraten zudem, dass Theaterinszenierungen mit Wismut-Bezug zukünftig auch an historischen Wismut-Orten aufgeführt werden könnten, wie beispielsweise das interessante Projekt „Die Wismut und ich“ der Geraer Theaterfabrik. In Bezug auf die touristische Entwicklung Geras als „Stadt der Ostmoderne“ sowie „Stadt der Bauhaus-Architektur“ erscheint ein Kulturlehrpfad zwischen Wismutkrankenhaus und Haus Schulenburg sinnvoll, der die beiden Objekte geografisch und thematisch miteinander verbindet. Der Bereich des dazwischen liegenden Stadtwaldes kann durch Informationstafeln entlang eines inklusiv angelegten Wanderweges für Besucher des SRH-„Kultur“-Krankenhauses erlebbar gemacht werden. Mit dieser Maßnahme würde auch der illegalen Müllentsorgung in diesem Gebiet endlich ein Ende gesetzt.
Ein Museumsneubau in zentraler Lage in Geras Stadtmitte lehnen die Ökodemokraten dagegen entschieden ab, weil Gera mit dem Kultur- und Kongresszentrum (KuK) bereits eine Perle der „Ostmoderne“ im Stadtzentrum hat, die nach der grundhaften Sanierung eine multifunktionale Nutzung in verschiedenen Bereichen möglich macht. Außerdem warnt die ÖDP vor einem weiteren folgenschweren Eingriff in das Stadtpanorama zwischen Stadtmuseum und KuK, welches schon durch den unsinnigen Neubau der Otto-Dix-Passage enormen Schaden gelitten hat. DDR-Postkarten aus den 80er Jahren zeigen die Ostmoderne-Stadtansicht auf Geras zentralem Platz vor dem KuK noch mit vielen Springbrunnen, Blumenrabatten und dem Häuserpanorama der Schloßstraße. Ein Museumsneubau wäre daher nicht identitätsstiftend, weil Identität nur mit der Wiedernutzung der zahlreichen identitätsstiftenden Gebäude geschaffen werden kann, die bisher weiter verfallend das Stadtbild prägen.